Freiheit

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    • Wir haben laut der Verfassungen in den meisten 1. Welt Ländern ein Recht auf Freiheit.
      Freiheit bedeutet nach der Buch-Definition den Zustand, unabhängig, nicht unterdrückt oder gefangen zu sein. Aber was ist in unserer demokratisch-bürokratischen Welt eigentlich noch Freiheit?

      Mir ist dieser Gedanke in den letzten Wochen immer öfter durch den Kopf gegangen. Beschneiden wir uns in der Moderne immer weiter selbst und opfern unsere Freiheit zugunsten unserer Sicherheit? Man ahnt als Mensch kaum noch, in welche Ketten man sich teilweise legen lässt. Alles ist globalisiert und vernetzt, jeder muss über jeden Bescheid wissen.
      Ich bin ja nun in den letzten Tagen umgezogen und man erfährt erst da so richtig, an welche Spielregeln man sich so alles halten muss.
      Einfach den Wohnsitz wechseln und frei von einem Ort zum anderen springen? Kannste vergessen. Jeder Schritt, den man macht, wird überwacht und genauestens dokumentiert.

      Seien wir doch mal ehrlich; Wir können doch keinen Finger mehr krümmen, ohne uns dafür die offizielle Erlaubnis von oben zu holen. Unsere Handlungsfreiheit ist überaus eingeschränkt, nur sehen wir diese Schranken im Alltagsleben kaum. Wir sind daran gewöhnt. Und das ist vielleicht sogar gut so.

      Ich will mit diesem Thread nicht gleich zur Revolte gegen den miesen Ungerechtigkeitsstaat aufrufen. Viel mehr geht mir die Frage im Kopf herum; Was versteht Ihr unter dem Begriff Freiheit?
      Wie wichtig ist Euch die Freiheit nach Eurer Definition?
      Und macht uns die heutige Gesellschaft Probleme damit, uns frei auszuleben? Ist das gut oder schlecht?
      Allgemeine philosophische Ergüsse zum Thema finden hier natürlich auch Platz. ;)
    • Also Freiheit, heißt für mich, das jeder Mensch, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Glauben, ein sicheres Leben führen kann. Mit Sicherheit meine ich dabei soziale Sicherheit, also eine Wohnung und einen Job zu haben. Die Freiheit, die wir aber gerade haben, ist eine Freiheit der Wirtschaft, nicht des Volkes.

      Freiheit, im Sinne von einer Regellosen, sich selbst verwaltenden Menschheit, ist ohnehin nur eine Utopie und nicht umsetzbar, genauso wie Kommunistische Ideen (Abschaffung des Geldes), oder absolute Demokratie (Volksherrschaft) aktuell einfach in so weiter Ferne liegen, das wir nur alles dafür tun können, die Gesellschaft irgend wann einmal in eine Gleiche, Brüderliche und Freie Gesellschaft zu überführen.

      Das werden weder wir, noch unsere Kinder oder Enkel erleben, aber vielleicht deren Kinder. Ja, die Regelungswut ist furchtbar, Bürokratie ist der schlimmste Feind der Freiheit, aber wenn Freiheit Ausbeutung, Gewinnmaximierung bedeutet, ist sie nichts wert. Der Mensch und die Erde müssen an erster Stelle stehen, nicht Gewinne von Großkonzernen.

      Freiheit ist für jeden etwas anderes, aber es ist immer ein Zustand, den wir nur selbst erreichen können und für den es sich lohnt, zu kämpfen.
      Double Deejay und Dark Werehog: On a Mission since 2009
    • DoubleDeejay schrieb:

      Das werden weder wir, noch unsere Kinder oder Enkel erleben, aber vielleicht deren Kinder.


      Mit dem aktuellen Kurs wird das wohl keiner unserer Nachfahren miterleben.
      Wenn man sich mal betrachtet, zu was die neueren Generationen erzogen werden und wie die sich verhalten, sehe ich ehrlich gesagt schwarz.
      Das schließt uns ja teilweise schon mit ein.

      Wir sind so sehr von unserer modernen Welt - und ja, auch von den großen Konzernen und Gewinnen - abhängig, dass wir ohne sie gar nicht mehr überlebensfähig sind.
      Wie sollen wir das unseren Kindern und Kindeskindern aberziehen, wenn wir die Fähigkeiten selbst doch gar nicht entwickeln (können)?

      Was nutzt dem Individuum die Freiheit, zu denken, wenn es gar nicht mehr denken kann? Es wird nur noch stumpf konsumiert und dieser Zustand verschlimmert sich drastisch. Einbildung ist eben keine Bildung. Reflektiertes Handeln fängt nicht etwa bei der Wahl der Fernsehprogrammes, dess Essverhaltens oder gar der Lebenseinstellung an. Das alles sind nur Dinge, auf die wir uns konzentrieren können, weil die Grundsteine gelegt sind. Und niemand hinterfragt mehr ernsthaft die Grundsteine, das wäre ja unbequem.
      Unsere Gesellschaft ist bereits etabliert und eingesessen, Querdenker können sich nur noch in ihre eigenen kleinen Utopien verziehen, denn man kann gegen den großen Mechanismus als einzelner nichts machen.

      Sicherlich könnte man sein Kind zu einem Kommunisten erziehen. Aber der ist doch in der Welt der palarmentarischen Demokratie und freien Marktwirtschaft überhaupt nicht überlebensfähig.
      Zudem wäre ein kompletter Umsturz des Systems nicht nur idealisierend sondern im Realfall auch gefährlich. Für Kommunismus, absolute Demokratie oder gar Anarchie gibt es keine durchgeplanten Regelungen, keine eingesessenen Verhaltensweisen. Und ohne die geht ein Mensch ein, da würde man im Chaos versinken.
      Das ist das, was ich mit Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Freiheit meine. Regeln bedeuten eine Einschränkung der Freiheit, aber auch einen Garanten für Sicherheit. (Je nachdem, wie stark die Regeln durchgesetzt werden.)
    • Mit Freiheit hat diese Gesellschaft meiner Meinung nach nicht viel zu tun. In welcher Hinsicht ist man denn frei? Die Freiheit, zu wählen, ob man Abitur macht, danach studiert und dann den Rest des Lebens arbeitet oder kein Abitur, Ausbildung, arbeiten, vielleicht zwei 400€ Jobs?

      Ja, ich formuliere dies bewusst überspitzt aber so in etwa ist unsere Gesellschaft doch strukturiert. Man könnte zwar sagen, man hat keinen Bock auf das alles, aber dann landet man entweder auf der Straße oder mit Hartz IV, letzteres nimmt meiner Meinung nach das letzte bisschen Freiheit, das man noch hatte.

      Ich bin nicht wirklich glücklich mit dieser Gesellschaft, aber ich versuche das beste daraus zu machen. Man hat eh keine Wahl.
    • Das Fazit zuerst, weil das sonst keiner liest, Wall of Text incoming :D
      Für mich persönlich bedeutet Freiheit, in der Lage zu sein, mein eigenes Leben selbstbestimmt zu führen, oder zumindest der Illusion dieser Möglichkeit so nahe wie möglich zu kommen. Absolute Freiheit ist unmöglich, sobald wir mit anderen Menschen in Beziehung treten, denn in diesem Moment sind wir nicht mehr frei.
      Daher ist "Freiheit" als solche, ohne weiteren Kommentar oder Eingrenzung, nicht mehr als ein Buzzword und völlig aussagelos.


      Es gibt verschiedene Blickwinkel, die bei einer Diskussion des Begriffs "Freiheit" beachtet werden müssen. Geht es um die Freiheit, etwas tun zu können/zu dürfen, oder geht es um Freiheit im politischen Sinn, z.B. von Unterdrückung oder sonstigen negativen Umständen, wie z.B. Krieg, Hunger, sozialer Ausgrenzung oder Armut? Beide Ansätze wurden in diesem Thread schon behandelt, gehen aber in völlig verschiedene Richtungen.

      Fangen wir mit der zweiten Kategorie der "Freiheit" an, die auch DoubleDeejay schon genannt hat, der die Freiheit des Individuums vor Sorgen um Arbeitsplatz oder Wohnung, soweit ich das sehe, als bedeutenden Aspekt der Freiheit sieht. Diese Freiheit ist jedoch eine gesellschaftliche Errungenschaft - der wir allen Unkenrufen zum Trotz im Deutschland von nahezu 2015 näher sind als die allermeisten Länder der Welt.
      Diese Freiheit ist eine Errungenschaft einer friedlichen Zeit, in einer Gegend der Welt in enormem Wohlstand, die genug festen Wohnraum hat, um allen Mitgliedern der Gesellschaft bezahlbaren Wohnraum und die zum Leben notwendigen Güter (beispielsweise Lebensmittel) zu niedrigen Preisen zu bieten.
      (Ich bitte darum, an dieser Stelle innezuhalten und sich einmal klarzumachen, was da für enorm komplexe, detaillierte Systeme hinterstecken, um die Lebensmittel dahin zu bekommen, wo sie gebraucht werden, und außerdem die Versorgung der Wohnungen mit Strom, Wasser, Heizung und Internet sicherzustellen. Von einem funktionierenden Verkehrsnetz und einem Auto vor jeder Haustür fange ich da noch nicht mal an.)

      An dieser Stelle müssen wir aber die individuelle Freiheit, die Dinge tun zu können, die man tun möchte, und die Dinge, die man nicht tun möchte, lassen zu können, betrachten.
      Diese Freiheit endet im Kontakt mit einem einzigen anderen Menschen.
      Steile These, weiß ich. Folgende Situation zur Illustration: Ein Freund von euch möchte mit euch einen Abend etwas unternehmen. Kino, Kegeln, wasweißich. Was man halt nen Abend lang so macht. Ihr habt keine Lust und lehnt daher ab. Damit seid ihr im Rahmen eurer individuellen Freiheit, schließlich kann euch keiner dazu zwingen.
      Jetzt lehnt ihr noch mal ab.
      Und noch mal.
      Und noch mal.
      Und dann wird euer Freund aufhören, euch zu fragen, weil er den Eindruck bekommt, dass ihr eh nie Lust auf nen Abend mit ihm habt.
      Seid ihr an dieser Stelle wirklich frei in eurer Entscheidung?

      Die Situation wird um einiges drückender - und realistischer - wenn es statt einem Freund - der meistens Verständnis haben sollte, wenn es halt nicht geht - um ein pflegebedürftiges Familienmitglied geht, das auf eure Hilfe angewiesen ist. Habt ihr da eine Wahl?
      Oder um den Chef bei der Arbeit, der von euch Überstunden einfordert, wo die Ablehnung euch langfristige Beförderungschancen verbaut oder schlimmstenfalls zur Kündigung führt. Ist das eine freie Entscheidung? Vor allem, wenn ihr Miete zahlen und vielleicht eine Familie versorgen müsst?
      Wie viel "individuelle Freiheit" wird hier den Anforderungen des Umfelds geopfert? Ist das noch "frei"?
      Aber wie kann die geforderte Freiheit von Krieg und Hunger sichergestellt werden, wenn nicht durch ein großes, gesamtgesellschaftliches Umfeld?

      Das bringt mich zu einem anderen Thema, das schon anklang - es solle, so schon eine Forderung hier im Thread, ein Grundrecht auf eine Wohnung und einen Arbeitsplatz geben, um die Freiheit des einzelnen in der Gesellschaft sicherzustellen (mit dem Unterton, dass das derzeit nicht gegeben ist). Wie sollte das aussehen?
      Jeder Unternehmer hat gemäß seiner individuellen Freiheit das Recht, sich auszusuchen, mit wem er zusammenarbeiten möchte. Gerade in einem kleinen, mittelständischen Unternehmen kann der Unternehmenserfolg von jeder einzelnen Stelle, jedem einzelnen Mitarbeiter abhängen. Eine falsche Besetzung kann das Unternehmen gefährden - inklusive der damit verbundenen Arbeitsplätze, Steuern und erbrachten Leistungen für andere Unternehmen. Der Unternehmer trägt also bei der Ausübung seiner individuellen Freiheit, seine Mitarbeiter selbst auszuwählen, eine große persönliche Verantwortung. und muss daher Wert auf entsprechende Qualifikationen und Arbeitseinstellung legen. Kein Unternehmer kann für eine feste Stelle einfach "irgendjemanden" nehmen.
      Ich bitte hier zu berücksichtigen, dass die kleinen, mittelständischen Unternehmen in Deutschland immer noch für den mit weitem Abstand größten Teil der erbrachten Wirtschaftsleistung zuständig sind und es nicht um irgendwelche gesichtslosen Großkonzerne geht, sondern um den Handwerksbetrieb im direkten Umfeld.
      Unter diesen Bedingungen kann es kein Anrecht auf einen Arbeitsplatz geben. Hier kollidieren die beiden Freiheitsschwerpunkte ganz massiv in einem Widerspruch, der nicht aufzulösen ist.

      Diese Konflikte ziehen sich durch das gesamte Leben jedes einzelnen von uns, der sich nicht als Aussteiger beispielsweise in den Wald zurückzieht und den Kontakt mit der Außenwelt vollkommen abbricht. Solche Leute gibt es, diese Lösung steht jedem offen. Individuell freier wird es nicht. Man muss nur bereit sein, auf warmes Wasser, Strom, Heizung, Internet und all die Annehmlichkeiten des modernen Lebens zu verzichten. Jeder von uns erkauft sich diese mit Anpassung an die Gesellschaft, zumindest an gesellschaftliche Grundregeln bis zu einem verlangten Mindestrahmen, und erhält dadurch einige Freiheiten von Unsicherheiten, unbequemen Arbeiten und einigen tatsächlichen Gefahren vergangener Generationen (verhungern, erfrieren im Winter etc.) Diese Annehmlichkeiten in Anspruch zu nehmen, aber die Gesellschaft als "unfrei" zu bezeichnen, ist entweder heuchlerisch oder eine inhaltslose Plattitüde, die "Freiheit" zum Buzzword degradiert - alle finden "Freiheit" toll und alle können sich drauf einigen, dass man davon nicht genug hat, aber inhaltlich kommt man damit keinen Schritt weiter.

      Mir ist bewusst, dass ich mich in einem gegebenen gesellschaftlichen Rahmen bewege. Im Großen und Ganzen habe ich keine Probleme damit, mein Leben innerhalb dieses gesellschaftlichen Rahmens zu führen, wie ich es für richtig halte, und fühle keine Einschränkungen meiner persönlichen Freiheit dabei. Wie oben geschrieben: Freiheit ist für mich die Möglichkeit, mein Leben selbstbestimmt zu führen. Und ein Unfall oder ein pflegebedürftiger Angehöriger, den ich betreuen müsste, würde mich dabei deutlich mehr einschränken.

      "What can change the nature of a man?"




      Ravel, Planescape: Torment

    • Ich sehe meine Freiheit nicht als sonderlich eingeschränkt. Ich sehe einige bürokratische Einschränkungen eher als notwendiges Übel, um Aspekte meiner Freiheit oder auch meines Wohlstandes zu erhalten. Freiheit ist für mich ein selbstbestimmtes Leben zu führen und das kann ich ziemlich problemlos.

      Um beim Beispiel der Ummeldung zu bleiben: Die Ummeldung ist nötig. Das für mich zuständige Amt wird dadurch informiert, dass es für mich zuständig ist. Dadurch bin ich erfasst, wenn es zB um Leistungen des Staates wie Arbeitslosengeld geht. Es ist eben notwendig, um solche Dinge zu koordinieren, nicht so sehr um mich zu überwachen oder zu kontrollieren. Zumindest hat mir noch kein Amt verboten irgendwohin zu ziehen, sie haben es halt hingenommen ;)

      Ich sehe keine allzu große Einschränkung durch den Staat mich frei auszuleben. Im Gegenteil. Gelder wie das BaFÖG ermöglichen mir meine Ausbildung. Eine Ausbildung, die ich frei gewählt habe, und die ich ohne Unterstützung des Staates niemals machen könnte. Ich werde so eher in meiner Wahlfreiheit für einen Beruf unterstützt als dass ich mich begrenzt fühle.

      Natürlich könnte man jetzt kritisch hinterfragen, ob es meine Freiheit einschränkt einen Job wählen zu "müssen", aber im grunde muss ich das ja nicht mal. Der Staat würde mich auch so mit Hartz IV auffangen. Das haben wir in anderen Ländern so nicht.

      Fangen wir mit der zweiten Kategorie der "Freiheit" an, die auch DoubleDeejay schon genannt hat, der die Freiheit des Individuums vor Sorgen um Arbeitsplatz oder Wohnung, soweit ich das sehe, als bedeutenden Aspekt der Freiheit sieht. Diese Freiheit ist jedoch eine gesellschaftliche Errungenschaft - der wir allen Unkenrufen zum Trotz im Deutschland von nahezu 2015 näher sind als die allermeisten Länder der Welt.
      Diese Freiheit ist eine Errungenschaft einer friedlichen Zeit, in einer Gegend der Welt in enormem Wohlstand, die genug festen Wohnraum hat, um allen Mitgliedern der Gesellschaft bezahlbaren Wohnraum und die zum Leben notwendigen Güter (beispielsweise Lebensmittel) zu niedrigen Preisen zu bieten.

      Das hier.
      Durch die grundsätzliche Absicherung bekommen wir ja erst die Möglichkeit uns um Dinge, wie "ich will tun, was ich will" Gedanken machen. Die grundbedürfnisse sind gesichert also kommen nun die Bedürfnisse nach Wahlfreiheit und Selbstverwirklichung zum tragen.

      Ich sehe eine Einschränkung meiner Freiheit nicht im Staat, ich sehe sie an einem anderen Punkt. Grundsätzlich habe ich jede Möglichkeit, ich kann sogar ins Ausland auswandern, wenn ich lustig bin. Was hindert mich daran? Knapp: ich habe kein Geld. Geld ermöglicht die größte Wahlfreiheit und viele Menschen haben nunmal sehr wenig davon. Demnach erleben sie sich auch als unfrei, weil sie eben nicht mal eben nach Amerika jetten können. Unsere Wahl ist durch unsere Mittel limitiert.
    • Schritte, die man macht und sie nicht bei der Regierung "anmeldet", stehen allerdings unter Strafe.
      Ich bin gezwungen, mich umzumelden oder dem Staat Bescheid zu geben, dass ich einen Schuppen in meinen (!) Garten bauen möchte. Tue ich das nicht, zieht das für mich rechtliche Folgen nach sich. Wenn ich frei wäre, könnte ich sagen, ich lasse das alles und muss dann eben mit den Konsequenzen leben, dass ich z.B. kein Arbeitslosengeld bekomme, wenn ich einen Fehltritt begehe. Diese Möglichkeit steht mir allerdings nicht offen. Jeder Mensch muss in irgendeinem Verzeichnis stehen. Das Problem liegt ja nicht darin, dass ich Sachen nicht dürfte, sondern, dass ich mir dafür immer erstmal die Erlaubnis vom großen Bruder abholen muss. Ja, das ist durchaus schon eine Einschränkung, denn ggf. könnte dieser Bruder auch mal "Nein." sagen - aus welchen Gründen auch immer. Nein sagt der große Bruder zum Beispiel, wenn man sein Auto ummelden möchte, dafür aber nicht zwanzig vorgesehene Papiere am Start hat. Wenn eines fehlt und man die Frist versäumt, kriegt man trotzdem die Strafe aufgebrummt - obwohl man versucht hat, sich korrekt umzumelden.

      Und selbstverständlich geht die gesamte Bürokratie mit Geld einher. Dafür ist sie z.T. ja auch da. Die machen das sicherlich nicht alles aus reiner Nächstenliebe.
      Aber wie gesagt: Ich habe das ja nicht verteufelt. Das Ausbleiben dieses Mechanismus zwischen Staat und Individuum würde unsere Welt ins Chaos stürzen, weil wir auf diese Mechanismen in unserem Leben blind zählen.
      Ich meine nur, dass man sich das selten mal vor Augen führt.
    • Also richtige Freiheit gibt es nicht, das hat Tikal schon ziemlich detailliert in einem Beispiel dargestellt. Jeder Mensch ist individuell, wenn ich eine Gesellschaft habe, die funktionieren soll, muss ich diese ganzen individuellen Menschen, mit allen ihren Stärken und Schwächen, an irgend einer Stelle einschränken, damit eine Gemeinschaft weiter bestehen kann und dann auch so etwas wie ein besseres Leben führen darf. Diese Systeme die da entstehen, sind so alt wie die Menschheit selbst. Früher schon in der Steinzeit gab es Gruppen (ja ich weiß, geiles Beispiel), die sich gegenseitig geholfen haben und Handel mit anderen Gruppen trieben. Wer da nicht in einer Gruppe seiner Tätigkeit nachging, wurde verstoßen, getötet, etc.

      Man kann ja in Deutschland meckern, z.B. auf die Bürokratie, die Pandorra ja schon beschrieb, aber Deutschland ist im wirtschaftlichen und sozialen Aspekt ein Paradies im Vergleich zu anderen Ländern. Nicht umsonst gibt es hier aktuell so viele Einwanderer. Die Freiheit sich z.B. zwischen ein neues Handy und einer neue Konsole zu entscheiden haben viele Andere nicht.

      Einschränkungen gibt es aber auch in der tollen westlichen Welt und die sind etwas subtiler als in anderen Ländern die ja offensichtlicher gegen ihre Bevölkerung vorgehen, damit diese "funktioniert". Auch hier wird man in eine bestimmte Richtung geschubst und hat sich lieber im Konsumrausch zu befriedigen. Nicht der Staat selbst, sondern die Medien und Lobbys halten die Zügel in der Hand. Dennoch habe ich ja die Freiheit mir meine eigenen Gedanken dazu zu machen und auf die Straße zu gehen und offen meine Meinung zu sagen, ohne gleich in ein Arbeitslager abgeschoben zu werden.


      Um auf die Frage zurückzukommen, was Freiheit für mich bedeutet:

      Für mich teilt sich die Freiheit in drei Ebenen ein. Die erste Ebene wäre die Freiheit im biologischen Sinne, die es bekanntlich (Freud) nicht wirklich gibt. Sobald wir nichts essen sterben wir, meine Gene befehlen mir mich fortzupflanzen, usw, ziemlich trivial. Unsterblich sind wir noch nicht.

      Die zweite Ebene wäre die Freiheit im engeren Sinne, also die Freiheit seinen Tag zu gestalten wir man es möchte. Auch diese ist eingeschränkt. Ich kann z.B. bestimmen ob ich zu einer Feier gehe um mich zu amüsieren, oder ein Videospiel spielen, oder meiner Arbeit nachgehen, aber bestimmten Gruppendynamiken unterliege auch ich von Zeit zu Zeit. Wenn ich jetzt eine Beziehung führe, dann muss man sich einschränken, um diese aufrecht erhalten zu können. Die größte Freiheit hat also derjenige, der Lotto Gewinner ist und alleine in seiner Villa lebt.

      Die Freiheit im weiteren Sinne und die dritte Ebene wäre dann schon für mich das was DoubleDeejay geschrieben hatte, also die Freiheit unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Sexualität, Glauben, politischer Ausrichtung usw. ein sicheres Leben führen zu können. Es ist klar, dass es auch diese Freiheit nicht ohne Einschränkungen gibt.


      «Wenn man dich als finster und krank bezeichnet, bist du wahrscheinlich auf dem richtigen Weg.» - Thom Yorke




    • Erstmal: Was Tikal schrieb. Tjoa, was bleibt dann noch zu sagen?

      LittleMissDevil schrieb:

      Ich sehe meine Freiheit nicht als sonderlich eingeschränkt. Ich sehe einige bürokratische Einschränkungen eher als notwendiges Übel, um Aspekte meiner Freiheit oder auch meines Wohlstandes zu erhalten. Freiheit ist für mich ein selbstbestimmtes Leben zu führen und das kann ich ziemlich problemlos.


      Das hier. Warum soll ich meine Freiheit von ein bisschen Blätterwald abhängig machen? Letztendlich ist diese immer größer werdende Gängelei auch irgendwo nur Mittel zum Zweck. Zu welchem lässt sich am folgenden Beispiel gut erklären:

      Pandorra schrieb:


      Ich bin gezwungen, mich umzumelden oder dem Staat Bescheid zu geben, dass ich einen Schuppen in meinen (!) Garten bauen möchte.


      Ja, mit dem Schuppen fängt es an. Bis irgendein paranoider Sicherheitsfanatiker ankommt und sich ein Tsunami-Frühwarnsystem in seinen Garten stellt. Das schlägt dann bei einem etwas krätigeren Regenschauer Alarm, womit ich meiner Freiheit auf einen erholsamen Schlaf beraubt werde. Das führt wiederum zur wort-wörtlichen Beschneidung der Freheit meines Nachbarn, dem ich die Pulsadern aufschneiden muss. :ugly:

      So hat der Staat in diesem (zugegebenermaßen leicht überspitzten) Beispiel gleich mehrere Beschneidungen der Freiheit verhindert, sowie ein Menschenleben gerettet.

      Natürlich kenne ich auch wahnwitzige Geschichten von Ämtern, das liegt jedoch mehr am Individuum, das das ganze durchsetzt, als am Gesetz, das doch irgendwo seinen Sinn hat.

      Bei der Frage, warum man solche Gesetze braucht, kommt man allerdings recht schnell auf den Trichter, dass das ganze ein hausgemachtes Problem der Politik ist: Idiotie - oder vornehm ausgedrückt, fehlende Bildung. In meinem Beispiel müsste der gute Mann nur besser in Erdkunde aufgepasst haben, um zu wissen, dass im Sauerland keine Tsunami-Gefahr besteht.

      Pandorra schrieb:

      Es wird nur noch stumpf konsumiert und dieser Zustand verschlimmert sich drastisch.


      "Wir wissen immer mehr, aber leider immer weniger damit anzufangen." - Urban Priol

      Letztendlich läuft das ganze auf mehr Geld für Bildung und vor allem effektivere Nutzung dieses Geldes hinaus. Schließlich gilt in der Schule ja nur noch der Grundsatz: Nicht für das Leben, für die Schule lernen wir. Außer den Grundfächern habe ich in der Schule absolut nichts mitbekommen, was ich heute noch irgendwie als wichtig einstufen oder im Leben anweden könnte. Von kritischem Denken mal ganz zu schweigen.

      Freiheit hat wesentlich mehr mit Bildung zu tun, als man vielleicht vermuten mag. Menschen mit einem klareren, reflektierteren Blick auf die Welt brauchen weniger Einschränkungen durch Gesetze und wissen vieles selbst zu regeln. In der Hinsicht wird es zumindest interessant zu sehen sein, inwiefern wir in Zukunft noch weiter reglementiert werden. Denn schon in meinem Alter gibt es mehr als genug, denen ich kein selbstverantwortliches Handeln zutraue. Und manche von denen sind schon dabei, die nächste Generation zu werfen. Von wem sollen die die Selbstständigkeit lernen? Vom Elternhaus bestimmt nicht...
    • Psycho Dad schrieb:

      So hat der Staat in diesem (zugegebenermaßen leicht überspitzten) Beispiel gleich mehrere Beschneidungen der Freiheit verhindert, sowie ein Menschenleben gerettet.

      Ist ja nicht so, als gäbe es kein Gesetz dagegen, andere Leute nicht mit Lärm, Geruch und Ähnlichem zu belästigen. ;)
      Auch, wenn ich einen Schuppen bauen würde, müsste ich darauf achten, dass der Nachbar sich durch den Krach des Bauens nicht belästigt fühlt.
      Wenn der Nachbar sich beschwert, kann ich mir mit meiner schönen Erlaubnis nämlich den Hintern wischen.

      Psycho Dad schrieb:

      Außer den Grundfächern habe ich in der Schule absolut nichts mitbekommen, was ich heute noch irgendwie als wichtig einstufen oder im Leben anweden könnte. Von kritischem Denken mal ganz zu schweigen.

      Es gibt ja Fächer wie Religion, Philosophie und ähnliche Diskussionsfächer - zumindest bei uns war das so.
      Nur liegt es da irgendwo in der Verantwortung des Einzelnen, sich damit zu beschäftigen - unter der Voraussetzung, dass der Lehrer da brauchbar ist.
      Ich hatte in Philosophie viel Glück, hatte einen Lehrer, mit dem ich super zurechtkam und der von seinem Fach auch wirklich Ahnung hatte. In den Kursen habe ich vieles über reflektiertes Denken und Handeln gelernt, genauso über Argumentations- und Diskussionsstruktur.
      Allerdings hat das 80% der Klasse einfach 'nen Dreck interessiert. Für die war dieser Unterricht so "langweilig" und "absurd", dass sie gar nicht geschnallt haben, dass sie das Nachdenken über Ethik, Staat oder den Menschen im Leben sehr viel öfter benötigen werden als die sechste Wurzel aus fünftausendsiebenundachtzig.

      Allerdings stimme ich dir zu, dass das auch die Schuld der Schule ist. Immerhin werden solche Fächern zu absoluten Nebenfächern mit höchtens zwei Wochenstunden degradiert. Lieber lernt man im doppelten Pensum etwas über die Berechnung von Funktionen in einem dreidimensionalen Koordinatensystem oder darüber, was in einer aus chemischer Sicht in einer Kuperraffinerie passiert... Was einem im Studium sowieso nochmal vorgekaut wird, wenn man in einer entsprechenden Richtung studiert!
      ... Aber ich glaube, das schweift gerade ein bisschen ab. :D

      Psycho Dad schrieb:

      Menschen mit einem klareren, reflektierteren Blick auf die Welt brauchen weniger Einschränkungen durch Gesetze und wissen vieles selbst zu regeln.

      Ja, aber das sind auch die einzigen Menschen, die diese Regelungen aktiv spüren. "Dumme" (Die Bezeichnung "Menschen ohne klaren, reflektierten Blick auf die Welt" ist mir ein wenig zu ungelenk, ich will jetzt aber keine Höher- und Minderwertigkeitsdiskussion anfangen, daher die Anführungszeichen. ^^) Menschen profitieren davon, dass ihnen alles in mundgerechten Happen vorgesetzt wird.
      "Intelligente" Menschen profitieren höchstens von der Einschränkung derer, die sonst Blödsinn veranstalten würden. Wir bräuchten keine Gesetze, wenn es nicht immer wieder Leute gäbe, die die brechen.
      Und in dieser Hinsicht bin ich über viele Regelungen auch froh, wenn ich mir ansehe, mit was für Individuen wir uns teilweise so den Planeten teilen.
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