Philosophisches Allerlei

    • *nach links und rechts guck*
      Okay, jeder seine Meinung dagelassen, der wollte? Gut. Dann gleich das nächste hinterher. :P

      Erkenntnis - Das Gehirn im Glas
      Gedankenspiel 2
      Stellen Sie sich vor: Ein äußerst kluger und hinterlistiger Neurowissenschaftler hat sich letzte Nacht in Ihr Schlafzimmer geschlichen, Sie betäubt und Ihr Gehirn aus Ihrem Körper herausoperiert. Danach legte er es in eine Nährlösung und schloss es an einen riesigen Computer an, der die Nervenimpulse Ihres Gehirns verarbeitet und es mit unzähligen Signalen versorgt. Der Neurowissenschaftler kann Ihr Gehirn mit gezielten Reizen versorgen, sodass Sie genau das erleben, was er möchte. Durch elektrische Signale kann er jeden nur denkbaren Wahnehmungseindruck in Ihnen erzeugen, etwa den Eindruck, Sie befänden sich gerade in Ihrer gewohnten Umgebung. Und genau das hat er getan! Sie erleben seit heute Morgen eine komplette Illusion. So glauben Sie etwa, einen Körper zu haben und gerade diesen Buch zu lesen.* Dabei liegt Ihr Gehirn in Nährlösung in einem Labor, angeschlossen an einen Computer. Möchten Sie eine Seite weiterblättern in dem Buch, das sie zu sehen glauben, dann sorgt der Computer dafür, dass Ihr Gehirn bestimmte Signale erhält, wodurch es Ihnen so scheint, als würden Sie die Hand heben, nach der Seite greifen und weiterblättern. In Wirklichkeit aber blättern Sie überhaupt nicht, Sie lesen auch nicht, Sie sitzen nicht und Sie atmen nicht. Sie sind nur noch ein Gehirn in einem Behälter, angeschlossen an Drähte. Das glauben Sie nicht? Können Sie es denn ausschließen?

      (Hilary Putnam)
      *der Text ist aus einem Buch entnommen, daher ist die Analogie nicht auf das Lesen eines Textes im Internet angepasst

      Die philosophische Richtung, aus der die Überlegung stammt, ist übrigens der Konstruktivismus, der (in verschiedenen Ausprägungen) darauf aufbaut, das alles um uns herum (Gegenstände, Menschen, Handlungen, etc.) nur aus Konstrukten besteht, die wir uns selbst einbilden.
    • Ich kann dass nicht ausschließen, das er es gemacht hat, weil ich davon so gut wie Garnichts davon mitbekommen habe.

      Zum einen kann ich es Glauben, dass er es gemacht hat.

      Zum anderen weiß ich aber nicht, ob ich es alles nur eingebildet/geträumt habe, das einer zu mir kam und mich betäubt, und mein Gehirn rausoperiert hatte, um es dann in einen Behälter mit Nährlösung einzulegen und anzuschließen. :?

      Letztendlich muss ich Durchdenken/Vorstellen und abwarten...
    • LittleMissDevil schrieb:

      Pffft, das ist doch spätestens seit Matrix voll der ausgelutschte Drops :awesome:


      Als Philosophie-Begeisterter habe ich freizeitlich jedes populäre Gedankenspiel längst durchleuchtet, von verschiedenen Seiten betrachtet und mir eine Meinung gebildet, bevor ich überhaupt wusste, dass das Buch, auf dem ich den Thread hier aufbaue, existiert. :P
      Was dem Diskutieren des Für und Widers nicht seine Daseinsberechtigung abspricht - als bekennender nicht-Matrix-Gucker lehne ich mich dennoch mal weit aus dem Fenster und sage, dass man trotz damaliger Diskussionen zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen ist. Was eine (erneute) Stellungnahme an dieser Stelle nicht zur Redundanz verkommen lässt. :D
    • Es ging bei Matrix nicht um Für und Wider, aber eben genau die Frage, die du stellst, wird im Film fast wörtlich gestellt und ist einer der zentralen nachdenklichmachenden Themenpunkte des Films. Von daher hat der Film zu dem Bereich halt echt alles gesagt, alles was ich sagen könnte käme direkt aus Matrix. :D

      Vielleicht mach ich das sogar noch bei Gelegenheit, aber jetzt nicht. :awesome:

      "What can change the nature of a man?"




      Ravel, Planescape: Torment

    • Tikal schrieb:

      Von daher hat der Film zu dem Bereich halt echt alles gesagt, alles was ich sagen könnte käme direkt aus Matrix. :D


      Ist ja egal - alle Argumente, die man zu solchen Gedankenspielen bringen könnte, sind schon durch gefühlte tausend Zungen gegangen, es geht nur darum, seine eigene Sichtweise darzubringen und bestenfalls jemanden zu finden, der es eben genau nicht so sieht. :P
    • Hmm, na schön, ich lasse meine Ansichten trotzdem da, mir egal, ob ich dann mit mir selbst quatsche. :P

      Eine lange Zeit fand ich die Ideen des Konstruktivismus ziemlich interessant, eben, weil man sie nicht konkret widerlegen kann. Gleichermaßen ist aber der Gedanke, in seinen eigenen Gedanken "gefangen" zu sein, ziemlich beängstigend.
      Mir ging dabei viel weniger der Matrix-Film durch den Kopf (obwohl ich wusste, dass er sich thematisch damit beschäftigt), sondern eher ein Abschnitt aus BioShock 2.
      Spoiler anzeigen
      Dabei schlüpft man in die Perspektive einer Little Sister. Statt dem bekannten, heruntergekommenen Rapture voller Blut, Leichen, Zerstörung und Gewalt, sieht man alles durch einen buchstäblich rosaroten Schleier. Alles sieht aus, wie für Festlichkeiten geschmückt, die eigentlich brutal-mörderischen Gegner stehen scheinbar feierlich gekleidet in der Gegend herum und führen anspruchsvolle Gespräche und die hässlich-verzerrten Leichen liegen aufgebart in Rosenbetten wie wunderschöne Engel.


      Vielleicht ist das Gehirn im Tank der falsche Ansatz, um den Konstruktivismus zu interpretieren. Vielleicht ist es eher eine Frage dessen, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen und was von der Wirklichkeit wirklich bis zu uns durchdringt.
      Mag sogar sein, dass die groben Umrisse unserer Umwelt existieren, dass wir gerade tatsächlich vor dem Bildschirm sitzen und miteinander kommunizieren, aber vielleicht in einer völlig anderen Weise, als bei uns ankommt.
      Mag sein, dass wir uns hier gegenseitig nur wahllose Buchstabenreihen vorsetzen und der Leser einfach nur das aufnimmt, was ihm gerade in seine Gedankenwelt passen würde. Wie will man das beweisen?

      Erkenntnistheoretisch habe ich mich vom Konstruktivismus weitgehend abgewandt, übrig bleiben ein paar Gedankenspiele. Hauptsächlich verfolge ich nun die Gedanken der evolutionären Epistemologie - unsere Umwelt sei im Großen und Ganzen etwa so, wie wir sie wahrnehmen.
      Das hat einen einfachen Grund; Evolutionär gesehen ergibt es nur Sinn, dass unser Erkenntnisapparat die Umwelt weitgehend getreu widergibt, ansonsten wären wir vermutlich schon ausgestorben. (Bzw. sind wohl die ausgestorben, bei denen die Wirklichkeit nicht in angemessener Menge korrekt wiedergegeben wurde.)
      Allerdings mag die komplette Evolution ja nur Einbildung unserer Fantasie sein. Damit will ich nicht in die Kerbe der Kreationisten schlagen, sondern wieder in Richtung des Konstruktivismus; Sind wir ein Hirn in einem Tank, haben wir auch hervorragende Überlebenschancen, weil wir ja nicht an inneren Einflüssen sterben können. Das Schöne ist auch, dass wir diese Situation nicht knacken könnten, denn selbst das Bild, das uns "Putnam" vermittelt, könnte nur eine Illusion sein, die wir eigentlich selbst erschaffen haben - genauso wie alle sozialen Kontakte und Einflüsse, mit denen wir uns konfrontieren lassen. Konstrukte eben.
    • Ich schmeiße dann doch mal ein Zitat aus Matrix in den Raum:

      Was ist die Wirklichkeit? Wie definiert man das, Realität? Wenn du darunter verstehst, was du anfassen, was du sehen, schmecken oder riechen kannst - dann ist die Wirklichkeit nichts weiter als elektrische Signale, interpretiert von deinem Verstand.
      Morpheus


      Einer der Grundsätze des Films ist, dass die Bewohner der Scheinwelt sich nicht bewusst sind, dass sie in einer Scheinwelt leben. Nicht bewusst sein können, weil die perfektioniert ist und direkt in die Wahrnehmung im Gehirn eingespeist wird.
      Matrix löst das Problem, wie man sich bewusst wird, dass man in einer Scheinwelt lebt, halt mit einer externen Fraktion, einem Erlösermythos über den "Auserwählten" und dem Storykniff, dass vereinzelte Individuen halt doch tief im Unterbewusstsein spüren, dass mit der Welt "etwas nicht stimmt."
      Selbst die Externen nutzen aber selbstgebaute virtuelle Welten zu Trainings- und Simulationszwecken.

      In einem gewissen Sinn können wir auch nicht anders, als uns aus den Informationen, die wir wahrnehmen, etwas zusammenzukonstruieren. Schriftsprache ist tatsächlich nur eine Abfolge von Zeichen, die nur durch das uns bekannte zugrunde liegende Konzept / Konstrukt einen Sinn ergibt. Wir können von einem Baum die Gesamtheit wahrnehmen, die Äste, zweige, Blätter, Blüten, aber irgendwo (Zellen? Moleküle? Atome? Atombestandteile?) stoßen wir an Grenzen der Wahrnehmung, wo wir einen Baum als "Baum", ein Blatt als "Blatt" o.ä. wahrnehmen.
      Das schließt nicht unbedingt aus, dass wir mit unserer Wahrnehmung eines Blatts als "Blatt" falsch liegen, zumindest ist eine Wahrnehmung auf dieser Ebene wohl für einen Menschen ausreichend. Die Wahrnehmung kann korrekt - wahr? :D - sein, sagt uns in dem Fall aber nicht alles.

      Ist das ein Problem? In den meisten Fällen nein. Die Wahrnehmung auf dieser Ebene reicht völlig aus, und der Mensch an sich ist darauf geprägt, Zusammenhänge zu bilden und daraus höhere Elemente (Konstrukte?) zu bilden. Scheint sich evolutionär ja bewährt zu haben. :D

      "What can change the nature of a man?"




      Ravel, Planescape: Torment

    2007-2017 SpinDash
    Sonic the Hedgehog ist ein geschütztes Markenzeichen der Videospielfirma SEGA. Alle veröffentlichten Bilder und sonstige Dateien dienen keinem kommerziellen Zweck und sind Eigentum des jeweiligen Herstellers.